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Unser Kirchenblatt
Im Kirchenblatt der römisch-katholischen Pfarreien im Kanton Solothurn können Sie aktuelle Informationen zu Gottesdiensten und Veranstaltungen, Impulse und Gedanken nachlesen.
Leitartikel vom 17. Mai bis 30. Mai
Abschied und Neuanfang
Abschied ist ein Teil unseres Lebens, der oft schwerfällt. Wir sagen «Auf Wiedersehen» – manchmal für kurze Zeit, manchmal für immer. Oft bleibt nach einem Abschied die Frage zurück: Was bleibt, wenn jemand geht? Besonders im Alter werden diese Gedanken stärker.
Ich erinnere mich an eine alte Frau, die ich in einem Altersheim besucht habe. Ihre Stimme war ruhig und ihr Körper wirkte müde. Doch sie strahlte Frieden aus. Sie sagte zu mir: «Mein Wunsch für mein Leben geht jetzt in Erfüllung.» Diese Worte haben mich überrascht. Normalerweise denken wir beim Lebensende an Traurigkeit, aber sie schien glücklich und erfüllt zu sein. Sie sprach von ihrer Familie, von Menschen, denen sie geholfen hat, und von den kleinen Momenten, in denen sie einfach da war. Für sie war das Leben kein Wettlauf, sondern eine Aufgabe, die sie mit Liebe erfüllt hat. Besonders berührend war, dass sie nicht traurig war, sondern Vertrauen in die Menschen hatte, die zurückbleiben. «Viele dürfen sich freuen – über das, was von meinem Leben bleibt», sagte sie.
Ein Leben hinterlässt immer Spuren, auch wenn der Mensch nicht mehr da ist. Diese Begegnung hat mich tief bewegt und mir geholfen, den Sinn von Abschieden besser zu verstehen. Wenn Jesus sich von seinen Jüngern verabschiedet, ist das auch ein schwerer Moment. Doch sie gehen voller Freude zurück, weil sie wissen, dass sie nicht allein sind. Jesus verlässt sie nicht, sondern gibt ihnen das Vertrauen und die Kraft, weiterzugehen. Sein Leben wird in ihnen weiterleben.
Ein guter Abschied ist also ein Abschied voller Vertrauen – in Gott und in die Menschen, die bleiben. Loslassen kann etwas Wunderschönes sein. Es erinnert uns daran, dass ein Abschied nicht immer ein Ende ist, sondern oft ein neuer Anfang.
Vielleicht dürfen auch wir eines Tages sagen: «Ich habe gegeben, was ich konnte. Jetzt darf mein Leben weiterklingen.»
Roy Jelahu, Vikar