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Unser Kirchenblatt
Im Kirchenblatt der römisch-katholischen Pfarreien im Kanton Solothurn können Sie aktuelle Informationen zu Gottesdiensten und Veranstaltungen, Impulse und Gedanken nachlesen.
Leitartikel vom 6. September bis 19. September
Der Sommer geht zu Ende – was bleibt?
Der Sommer geht langsam zu Ende. Die Tage werden kürzer, die Abende kühler. Noch einmal sitzen wir draussen, doch schon liegt ein Hauch von Abschied in der Luft. Was bleibt von diesem Sommer? Mir bleiben Erinnerungen an das Schwimmen in der Aare, an das Wasser auf der Haut, an gute Gespräche, gemeinsame Essen im Freien und lange Abende. Auch Theater, Musik und andere Aufführungen unter freiem Himmel haben ihren besonderen Zauber. In der warmen Abendluft scheint die Zeit für einen Moment stillzustehen.
Doch dieser Sommer hatte auch seine andere Seite. Die grosse Hitze wurde für viele zur Belastung. Die Trockenheit hat uns gezeigt, wie kostbar Wasser ist. Wenn Flüsse wenig Wasser führen und die Erde hart und trocken wird, lässt sich die Schönheit des Sommers nicht mehr unbeschwert geniessen. Papst Franziskus erinnert uns in seiner Enzyklika Laudato si daran, dass die Erde unser gemeinsames Haus ist. Die Natur ist nicht bloss Kulisse für unser Leben. Sie ist Gottes Schöpfung – und uns anvertraut. Vielleicht liegt darin eine wichtige Erinnerung dieses Sommers: Dankbarkeit und Verantwortung gehören zusammen. Wir dürfen uns freuen über einen warmen Tag, das Wasser der Aare, einen schattigen Baum, ein Essen unter freiem Himmel oder einen besonderen Abend. Gleichzeitig dürfen wir nicht vergessen, dass diese Gaben nicht selbstverständlich sind. Wasser ist Leben. Unsere Welt ist verletzlich.
Die Theologin Dorothee Sölle hat gesagt: «Gott nicht oben und nicht später, sondern jetzt und hier.» Vielleicht war Gott dort zu entdecken, wo wir miteinander unterwegs waren: beim Schwimmen, im Gespräch, beim Essen, bei Musik und Theater oder in der Stille eines Sommerabends. Wer mit offenen Augen durch die Welt geht, kann in ihrer Schönheit etwas von Gottes Gegenwart entdecken. Vielleicht ist das der Sinn des Erinnerns: nicht nur schöne Bilder zu sammeln, sondern zu fragen, was diese Zeit mit uns gemacht hat. Sind wir dankbarer geworden? Haben wir Menschen neu entdeckt? Haben wir gespürt, wie gut Gemeinschaft tut? Und haben wir neu verstanden, dass wir sorgsamer mit der Schöpfung umgehen müssen?
Was wir benötigen, ist der Zuspruch den Hilde Domin in ihrem Gedicht beschreibt: «Nicht müde werden, sondern dem Wunder leise wie einem Vogel die Hand hinhalten». Sie motiviert, trotz Vergänglichkeit und Unsicherheit weiterzugehen und die Hoffnung zu bewahren. Gerade am Ende des Sommers wird dieser Gedanke wichtig: Etwas geht zu Ende, aber damit endet nicht die Hoffnung. Abschied und Neubeginn gehören zusammen. Der Sommer muss nicht festgehalten werden, damit seine Wärme in uns weiterwirkt. Die Begegnungen bleiben, die Gespräche, die Freude am Fluss und die warmen Sommerabende. Vielleicht bleibt auch der Gedanke, weniger selbstverständlich zu nehmen, was uns geschenkt ist. Nehmen wir etwas vom Sommer mit: von seiner Wärme, seiner Leichtigkeit und von seinen Begegnungen – aber auch seine Fragen. Vor allem die Dankbarkeit für das, was uns geschenkt wurde. Und vielleicht nehmen wir die Ermutigung Hilde Domins mit: nicht müde zu werden – nicht im Vertrauen, nicht in der Hoffnung und nicht in der Bereitschaft, das Gute zu suchen und weiterzugeben.
Ich wünsche uns allen einen guten Start in die kühleren Tage – mit offenen Augen für die Schönheit des Alltags, mit Dankbarkeit für die Menschen an unserer Seite und mit der Hoffnung, dass wir immer wieder entdecken: Das Leben ist ein Geschenk.
Stefan Keiser, Pfarreiseelsorger