Mit Bruder Klaus hinuntersteigen

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Am 25. September feiern wir den Gedenktag des heiligen Bruder Klaus
(1417–1487). Er gehört für mich zu den beeindruckenden Gestalten des
christlichen Glaubens. Ich möchte mit Ihnen meine erste «Begegnung»
mit ihm teilen.
Mit 17 Jahren ist mir ein Buch in die Hand gekommen, das meine
Beziehung zu Bruder Klaus nachhaltig geprägt hat. Es war das Werk
des reformierten Schweizer Theologen Walter Nigg mit dem Titel «Die
Heiligen kommen wieder. Leitbilder christlicher Existenz». Nigg setzte
neue Massstäbe in der Lebensbeschreibung der Heiligen. Diese zielt in
erster Linie darauf ab, den Leser mit dem in Berührung zu bringen, was
der heiligmässige Mensch durch sein Leben an Glaubenswirklichkeit
zum Ausdruck gebracht hat. Weder Erbauung noch Historizität stehen
im Zentrum der Forschung von Walter Nigg, sondern das innere
Mitgehen interessiert ihn.
Die Frage, die Walter Nigg in seinem Buch stellte und die mich damals
gepackt hat, lautet: «Willst du mit Bruder Klaus in den Ranft hinuntersteigen?
Willst du das Wagnis eingehen, in die Tiefe Gottes und in deine
eigene Tiefe hinabzusteigen? Willst du innerlich mitgehen in die
Wildnis der Schlucht, die der Fluss, die Melchaa, gegraben hat, in die
Tiefe des Waldes, in die Stille, in die Abgeschiedenheit? Und willst du
dort hören, beten und verweilen, bis Gott dir Klarheit schenkt, bis er
dich deine Sehnsucht erkennen lässt und sie stillt. Bis er dir den Mut
gibt, wieder hinaufzusteigen und weiterzugehen?»
Bruder Klaus ist ein guter Begleiter, wenn es auch heute darum geht,
die eigene Berufung, die eigene Identität zu finden, eigener Sehnsucht
nachzugehen und den inneren Frieden zu finden. Er kennt das jahrelange
Ringen, das damit verbunden ist. Entscheidende Einsicht für mich
war: Es braucht den Mut, mitten aus dem Alltag für einige Momente
wegzugehen von den Verpflichtungen, vom Vielerlei, vom Getriebe, von
Social Media, hinunter in die Tiefe, in die Stille, dorthin wo im Herzen
einer zu dir sprechen will. Und dort zu sagen: Rede Herr, dein Diener,
deine Dienerin hört!
Ich wünsche Ihnen, dass Sie in den verschiedenen Angeboten unseres
Pfarreilebens solche Orte und Momente für sich finden können.
Thomas Ruckstuhl, Pfarradministrator