Das Leben geniessen

Pilgern2Beim Pilgern wie hier auf dem Schweizer Jakobsweg lässt man viel Ballast zu Hause, weil man alles selber tragen muss. Am Abend in einer gemütlichen Herberge ist nach einem körperlich intensiven Tag die Dusche und das Essen einfach ein Genuss. Es ist ein einfaches Leben auf dem Jakobsweg, aber es ist gut möglich, dass ein Gefühl von Dankbarkeit aufkommt: Für die Natur, die Menschen, die man trifft und die wenigen Dinge in meinem Rucksack.

 

„Ich (Anm. Jesus) bin gekommen, damit sie das Leben haben und es in Fülle haben.“ Johannes 10,10.

Nun beginnt die Fastenzeit. Fasten ist dazu da, Lebensfreude zu steigern. Warum das Fasten lebensbejahend sein kann, will ich anhand drei Punkten aufzeigen:

 

Verzicht als Voraussetzung für Genuss

 „Hunger ist der beste Koch.“

Dieses Sprichwort sagt in wenigen Worten, warum Fasten Lebensfreude steigert: Wenn das Essen besser wird durch den Hunger, dann steigt auch die Lebensfreude durch Verzicht.

Zum Bespiel ist das erste Stück Kuchen immer besser als das fünfte Stück. Ein warmes Bad ist nach einem Skitag herrlicher als wenn ich schon den ganzen Tag in der warmen Stube war. Ein Eis ist in der Sommerhitze viel leckerer als im Winter. Ein kühles Getränk nach einem harten Arbeitstag schmeckt besser, als wenn ich den ganzen Tag nur im Liegestuhl war.

 

Leichter leben mit weniger Ballast

Die Fastenzeit kann eine Zeit sein, in der ich alles ausmiste, was nicht nützlich ist oder ich nicht liebe. Alle Gegenstände, die ich sowieso nicht brauche oder mir einfach nicht gefallen. Aber es können auch Gewohnheiten sein, die ich aus Bequemlichkeit nicht loslasse, aber die mir im Grunde genommen gar nicht gut tun.

 

Glücklich durch Dankbarkeit

Fasten fordert uns dazu auf, glücklich mit dem zu sein, was wir schon haben. Der Benediktinerpater David Steindl Rast gibt uns dazu folgenden Tipp:

„Wir alle kennen eine ganze Reihe von Menschen, die alles haben, was man zum Glücklichsein braucht, und sie sind nicht glücklich. Weil sie etwas anderes wollen, oder sie haben nicht genug davon. Und wir alle kennen auch Menschen, die viel Pech haben, Unglück, das wir selbst nicht haben wollten, und sie sind zutiefst glücklich. Sie strahlen Freude aus. Das überrascht uns. Warum? Weil sie dankbar sind.“

 

Ich wünsche Ihnen eine bereichernde Fastenzeit, in der Ihre Lebensfreude grösser wird, damit wir voller Freude auf Ostern, dem Fest der Auferstehung entgegen gehen können.

 

Basil Schweri (Pastoralassistent in Ausbildung)